Der Reihe nach:
Am Freitag sind wir noch gemeinsam nach Cambados gefahren, natürlich der Klassiker: 1 Stunde hin, eine zurück - um einen Kaffee im Ort zu trinken. Der so angepriesene Ort verbarg seine Schönheit und architektonischen Vorzüge nur allzu geschickt. Vielleicht lag es aber auch am Nieselregen, der pünktlich bei unserer Ankunft einsetzte. Pontevedra 'schenkten' wir uns dann. Abends trafen wir uns mit Terry, Johann, John und Penny und liessen es nochmal richtig krachen...
Am nächsten Morgen lief mit der Heimreise alles glatt: Mietwagenagentur hatte geöffnet, keine Probleme mit der Rückgabe des Wagens, Ryanair war pünktlich, unser Gepäck wog nicht zuviel, die Rückfahrt vom Hahn ohne Stau...unglaublich...
Die Hunde haben sich gefreut, der Laden stand noch, die Umsätze waren in Ordnung...und mein Heuschnupfen meldete sich zuverlässig zurück. Wochenlang wandere ich durch die Felder der Meseta, durch blühende Pappel-, Birken- und was weiss ich was Wälder - nichts. Eine Stunde in Lemgo: dicke Augen....
Zum Wandern an sich:
Drei Wochen raus aus dem Alltag sind sinnvoll, erst nach ca 10 Tagen gewinnt man Abstand zu seinem Alltag und damit zu sich selbst. Gelassenheit stellt sich erst nach 14 Tagen ein und wirkt dann auch deutlich nach. Die Reduzierung des Alltags auf das Wesentliche (nämlich Essen und Schlafstätte) und der Rhythmus des Gehens ermöglichen die Besinnung auf Dinge, die jeden im Innern beschäftigen. Es muss dabei nicht zwingend zu Ergebnissen kommen, die Reflektion allein hat katharsische Wirkung, ein Prozess wird in Gang gesetzt...
Meine Muschel (Erkennungsmerkmal der Pilger) habe ich nach 4 Tagen im Rucksack verschwinden lassen, ebenso habe ich meinen Credencial (Pilgerausweis) nicht mehr abstempeln lassen. Zu sehr schämte ich mich für das Verhalten der meisten 'Pilger'.
Nach meinem Empfinden sind die meisten als Touristen unterwegs, das ist vollkommen legitim. Dann wäre es allerdings ehrlicher, sie würden sich dies eingestehen, die Reise als solche geniessen - und nicht staatstragend und wichtig als Pilger auftreten; Menschen, die aus religiösen oder spirituellen Motiven diese Wanderung unternehmen, gebärden sich anders, spätestens nach 1-2 Wochen. Selbst die einfachsten Regeln des christlichen Umgangs miteinander werden nicht gelebt...
(Ich werde das noch ausführlicher in einem Essay darlegen - allein damit es mir selbst bewusster wird. Dazu brauche ich aber noch 1-2 Wochen...)
Natürlich gibt es auch Ausnahmen, diese werden allerdings - so meine Erfahrung nach 4 unterschiedlichen Jakobswegen - seltener. Die Überfüllung des Weges und der Infrastruktur sowie die zunehmende Kommerzialisierung machen es für den Einzelnen schwieriger, den Camino zur Kontemplation zu nutzen.
In den nächsten Jahren werde ich andere Strecken zum Wandern suchen: wenn man sich die Zeit und Ruhe nimmt, begegnet man der Schöpfung überall...
Bis dahin:
Ultreia
[ vorwärts ~ immer weiter...]
[ vorwärts ~ immer weiter...]
Hm. Caldwell sagte: Erfahrungen sammelt man wie Pilze: einzeln und mit dem Gefühl, dass die Sache nicht ganz geheuer ist. ,o)
AntwortenLöschenAuch wenn du nicht förmlich geläutert scheinst, hatte man beim Lesen doch das Gefühl, dass dir das Wandern und "da sein" richtig gut tun. Also mir hat's Lust auf lange Spaziergänge gemacht (wenn auch nicht unbedingt mit so viel Gepäck und bitte mit echter mit Nachtruhe...)
Bis hoffentlich bald!
Cel
Boah, kannst du schicke Fremdworte, he, he... Lauf doch mal nach Zürich, da sind bestimmt nicht so viele Unterwegs und nen prima Kloster haben wir hier auch in der Nähe. Hat auch ne Babyklappe, wollte ich schon ein paar mel benutzen, pppft.
AntwortenLöschenBussi, M.